Schulprogramm

Einleitendes

Das hier vorliegende Schulprogramm wurde in kooperativer Zusammenarbeit aller an der Schule beschäftigten Berufsgruppen entwickelt. Ausgangssituationen auf dem Weg zum gemeinsamen Erstellen eines Schulprogramms bildeten

  das selbstklärende Darstellen eigener Standpunkte und Haltungen sowie das Entwickeln von Zielen, Bedingungen, Richtungen ... .
  das Kennen und Interpretieren von gesetzlichen Grundlagen und Netzwerken
  das Benennen eigener Erwartungen und das Vereinbaren möglicher Formen von Zusammenarbeit, Verantwortlichkeit und Kommunikation
  das Erheben und Analysieren des Ist-Zustandes der konzeptionellen und organisatorischen Gegebenheiten (dargestellt im Schulprofil)
  das Ermitteln konkreter und realistischer Ideen der Umsetzung und das Vereinbaren von Entwicklungsschwerpunkten sowie –maßnahmen

So steht die nachfolgend konkretisierte Programmatik in einem wechselseitigen Zusammenhang mit der im Schulprofil dargestellten konzeptionellen Grundorientierung, den Erziehungs- wie auch Bildungsprinzipien und dem besonderen Profil unserer Einrichtung. Zudem beinhaltet diese einerseits die mittelfristigen perspektivischen Zielvorstellungen sowie Arbeitsschwerpunkte, andererseits erfolgt eine Ausrichtung auf ökosystemische Vernetzung und partnerschaftliche Kooperation. Ein regelmäßig bewertendes Entwicklungshandeln ist in deren Begleitung unerlässlich.

 

2  Wichtige Grundlagen zum nachfolgenden Schulprogramm

 

2.1  Schulvorbereitende Einrichtungen (SVE)

 

Im allgemeinen ist der Schule zur individuellen Lebensbewältigung eine schulvorbereitende Einrichtung angeschlossen. Diese stellt das Bindeglied zwischen pädagogischer Frühförderung und Schule dar. Die SVE steht für Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt zur Verfügung. Diese Kinder weisen so erhebliche Beeinträchtigungen in Motorik, Wahrnehmung, Sprache und Denken auf, dass ihr Förderbedarf ohne Hilfe durch die SVE notwendigerweise zum Eintritt in die Schule zur individuellen Lebensbewältigung führt. Grundlegendes Ziel ist die diagnosegeleitete Förderung der kindlichen Gesamtpersönlichkeit durch Entwicklung basaler Fähigkeiten. Schulische Grundlagen werden angebahnt.

 

2.2  Die Schule zur individuellen Lebensbewältigung

 

Die Janusz-Korczak-Schule gliedert sich in vier Schulstufen: Unterstufe, Mittelstufe,Oberstufe und Werkstufe. Jede Schülerin und jeder Schüler durchläuft diese Stufen, unabhängig von Art und Schwere seiner Behinderung. In der Regel besuchen diese jede Schulstufe drei Jahre lang. Das Lernangebot in den einzelnen Schulstufen orientiert sich am Entwicklungsstand und Lernvermögen und berücksichtigt altersgemäße Lerninhalte.

Erziehung, Unterricht, Förderung, Therapie und Pflege erfolgen in Klassen, in Lerngruppen, im Stufenverband (mehrere Klassen einer Stufe bilden eine Großgruppe) oder in Einzelförderung. Bei Bedarf können Lern‑ und Fördergruppen auch stufen-übergreifend eingerichtet werden. Die Bildung von Klassen und Lerngruppen innerhalb der Schulstufen erfolgt nach pädagogischen Gesichtspunkten. Klassen und Lerngruppen werden als heterogene Klassen geführt.

 

Unterstufe (1. bis 3. Schulbesuchsjahr)

Die Unterstufe wird von Schülerinnen und Schülern nach Vollendung des sechsten Lebensjahrs besucht. Als Schwerpunkte von Unterricht, Erziehung und Förderung in dieser Schulstufe gelten die diagnosegeleitete Förderung insbesondere von basalen Fähigkeiten im Bereich von Motorik, Wahrnehmung, Sprache und Emotionalität, das Aneignen lebenspraktischer Fertigkeiten und wo möglich ‑ der Erwerb von Kulturtechniken.

Ziel der pädagogischen Maßnahmen ist es, durch eine gezielte Diagnostik die Ursachen von Förderbedarfen zu erhellen sowie individuelle Fördermaßnahmen einzuleiten und durchzuführen. Weiterhin bietet die Unterstufe bei Bedarf flexible Formen des Übergangs in andere Schulformen.

 

Mittelstufe (4. bis 6. Schulbesuchsjahr)

In der Mittelstufe werden die bisher erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vertieft und gefestigt. Formen der Umweltbegegnung dienen der Ausweitung von lebenspraktischen Erfahrungen. Als bedeutsames Ziel gilt auch die Erhöhung der kommunikativen und sozialen Kompetenz. Weitere inhaltliche Schwerpunkte dieser Stufe sind Anbahnung und Erlernen von Lesen und Schreiben sowie Erwerb und Vertiefung grundlegender mathematischer Erkenntnisse.

 

Oberstufe (7. bis 9. Schulbesuchsjahr)

Sach‑ und Fachorientierung bilden den Förderschwerpunkt in der Oberstufe. Die Schülerinnen und Schüler vertiefen in handlungsorientierten und fachorientierten Lernbereichen ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Das Bildungsangebot der Oberstufe richtet sich an den gegenwärtigen und künftigen Möglichkeiten der Lebensgestaltung der Jugendlichen aus, um sie auf eine persönliche Lebensbewältigung und Lebensgestaltung vorzubereiten.

 

Werkstufe (10. bis 12. Schulbesuchsjahr)

Die Werkstufe ist als integraler Bestandteil des Förderzentrums mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung in einer zukunftsorientierten pädagogischen Verwirklichung mit dem Ziel der Entwicklung zu einem selbstständigen und selbstbestimmten Leben unverzichtbar.

In diesen Klassenstufen setzen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vornehmlich mit der Lebenswirklichkeit in der Beschäftigungs‑ und Arbeitswelt auseinander. Durch berufliche Grundbildung wird gewährleistet eigene berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Der Übergang in das Erwachsenenleben beinhaltet jedoch mehr als ausschließlich berufliche Bildung. Die Jugendlichen brauchen vor allem qualifizierte und strukturierte pädagogische Unterstützung in den Bereichen  Partnerschaft und Sexualität, soziale Beziehungen, Medienkompetenz, Wohnen, Freizeit und Weiterbildung.

Bildung zu erfahren ist Lebensrecht und dient der Entfaltung der Persönlichkeit des Einzelnen. Bildung ist damit ein lebenslanger Prozess der Selbstfindung und Lebensgestaltung.

 

2.3  Flexibilität der Lernorte und der organisatorischen Strukturen

 

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, z. B. Schüler mit Trisomie 21, können auch in allgemeinen Schulen unterrichtet und gefördert werden, wenn zu erwarten ist, dass sie dort erfolgreich lernen können, wenn die Zustimmung der aufnehmenden Schule vorliegt, und wenn der sonderpädagogische Förderbedarf in Zusammenarbeit mit den Mobilen Sonderpädagogischen Diensten erfüllt werden kann.

Ist bei einer Schülerin oder einem Schüler zu erwarten, dass der Besuch dieser Schulart über die Zeit der Vollzeitschulpflicht hinaus zu nachhaltigem Lernerfolg führt, kann auf Wunsch der Besuch ‑ längstens bis zum Ablauf des Schuljahres, in dem die Schülerin oder der Schüler volljährig wird – fortgesetzt werden.

Der Unterricht ist auf eine Rhythmisierung des Schultags angelegt. Die Lerneinheiten sind offen und flexibel zu gestalten. Die Unterrichtszeit soll zu Blöcken zusammengefasst werden. Diese können als Klassenunterricht, als Unterricht in Lerngruppen oder als klassenübergreifender   Unterricht  genutzt werden. Hier ist zu beachten, dass die einzelnen Lernbereiche der Stundentafel entsprechend repräsentiert sind, und die Rahmenrichtlinien für die Unterrichtsorganisation Berücksichtigung finden. Der Lehrer bestimmt die Dauer der Unterrichtsabschnitte und die Abfolge der methodischen Schritte. Er achtet neben den didaktischen Erfordernissen auf die Lernfähigkeit und Belastbarkeit der Schüler. Die Pausenzeiten können ‑ im Rahmen der schulrechtlichen Bestimmungen ‑ von den einzelnen Schulen und Stufen individuell geregelt werden.

Wenn Schülerinnen und Schüler wegen körperlicher oder anderer schwerwiegender Beeinträchtigungen die Angebote organisierten Lernens in der Gruppe nicht wahrnehmen können, soll für sie anstelle des Pflicht‑ oder Wahlpflichtunterrichts individuelle Förderung bereitgestellt werden.

 

Zusammenfassung der konzeptionellen Strukturen einzelner Schulstufen

 

Auf der Grundlage der im Schulprofil sowie Schulprogramm dargestellten Konzeption und Gliederung der Schule zur individuellen Lebensbewältigung werden im Folgenden grundlegende Ideen für die Arbeit in einzelnen Stufen an der Janusz-Korczak-Schule zusammenfassend vorgestellt. An der Umsetzung dieser Grundgedanken wird stetig gearbeitet, Teilziele sind bereits erreicht oder befinden sich in der Erprobungsphase. Somit ist der Übergang zum vorangegangenen Schulprofil, welches einen Ist-Stand der Schulentwicklung präsentiert, fließend. Als weitere Grundlage der Ideenentwicklung diente  der Lehrplan Sonderpädagogische Förderung des Landes Schleswig-Holstein sowie das schulinterne Curriculum.

 

3.1  Strukturen der Unterstufe


 Zusammenarbeit mit Heilpädagogischen Tagesstätten und Kindergärten

          Ziel: Anbahnen eines fließenden, möglichst "sanften" Überganges in die Schule

 

 

Anbieten von Möglichkeiten zur Hospitation für Mitarbeiter/innen der Tagesstätten und Eltern, um gemeinsame Entscheidungen zu ermöglichen und zu erleichtern

  Am Beginn der Sommerferien gemeinsame Absprache wichtiger Termine mit Eltern und Mitarbeiter/innen der Tagesstätten
  Durchführen von Kennenlerntagen (d. h. Kinder, Eltern, Mitarbeiter/innen der Tagesstätten sowie Lehrkräfte und Team) 
 

 

Elternarbeit

Ziel: Frühzeitiges gegenseitiges Kennen lernen, um eine möglichst optimale Basis für die folgende Zusammenarbeit zu schaffen

 

  Frühzeitiges Anbahnen der Zusammenarbeit (vgl. vorangegangener Punkt)
  Durchführen regelmäßiger Elternabende (mind. 1 mal im Halbjahr)
  Durchführen regelmäßiger Hausbesuche (mind. 1 mal im Schuljahr)
  vermehrtes sinnvolles Einbeziehen der Elternschaft in den schulischen Alltag
  Anbieten eines jährlich stattfindenden Elternsprechtages
   
 

 

Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

Ziel: Schaffen eines gegenseitigen Informationsaustausches/-flusses, z.B.  mit anderen Förderzentren, Grundschulen, Kindertagesstätten um eine größere Durchlässigkeit zu ermöglichen (z.B. Gestaltung eventueller Schulübergänge, Prävention)

 

 

Wo pädagogisch oder therapeutisch sowie organisatorisch möglich, arbeiten Therapeuten im Unterricht mit (bessere Übernahme therapeutischer Inhalte in die Lebensrealität der Schüler, größere Nachhaltigkeit der Therapieinhalte)

 

Austausch zwischen  Therapeuten und Lehrteam in regelmäßigen Abständen

  Bei pädagogischer und therapeutischer Indikation Ermöglichen von Therapien in den Räumlichkeiten der Schule bei gleichzeitiger enger Zusammenarbeit von Lehrteam und Therapeut/in (Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie, Beratungslehrer/innen aus anderen Fachrichtungen
  Durchführung individueller präventiver Fördermaßnahmen an Kindertagesstätten, z.B. im Förderschwerpunkt Sprache

 

 

 

3.2 Strukturen der Werkstufe

 

Inhaltliche Orientierung

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Werkstufenarbeit besteht in der veränderten Unterrichtsituation (Vorbereitung auf den 8 Stunden Tag) sowie im Aufbau einer engen Verbindung zur

Produktion im Sinne von:

  produktionsorientierten Tätigkeiten an der Schule
  Praktika in Werkstätten für Behinderte und anderen Betrieben
  Betriebsbesichtigungen
  Arbeit des Integrationsfachdienstes mit den Schülerinnen und Schülern im Laufe des Schulvormittags

 

Neben der Gewöhnung an einen neuen Lebensrhythmus und dem Erwerb von berufsorientierten Fähigkeiten steht die Festigung und Weiterentwicklung der Gesamtpersönlichkeit der Jugendlichen im Vordergrund.

 

 

Orientierung nach außen

 

Ziel: Erfahren des Übergangs in das Erwachsenenleben Mithilfe einer an der Realität orientierten, flexiblen Schulausgangsphase in enger Kooperation mit vielfältigen außerschulischen Partnern, wann immer möglich und vertretbar eine Vermittlung  auf den ersten Arbeitsmarkt

 
  Das Kennen lernen von Berufsfeldern durch eine enge Verknüpfung mit nachschulischen Institutionen, wie Tagesfördereinrichtungen, Werkstätten und arbeitsvorbereitenden Lehrgängen sowie geeigneten mittelständischen Unternehmen soll eine kontinuierliche Gewöhnung an den beruflichen Alltag unterstützen.
  Der Aufbau integrativer Arbeitsbereiche durch gemeinsame Projekte mit der Kreisberufsschule sowie mit unseren Ideen nahestehenden land- und forstwirtschaftlichen Betrieben soll zur Erweiterung und Festigung schulisch angeleiteter Berufsgrundbildung beitragen.
  Das Sammeln von Erfahrungen in ausgewählten Organisationen der Freizeit- und Bildungsbereiche wie z. B. Volkshochschule, Sportvereine, Jugendzentren soll zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung beitragen.
  Das Erleben unterschiedlicher Wohnformen soll auf ein Zusammenleben in anderen als familiären Gemeinschaften vorbereiten.
   

 

Orientierung nach innen

 

Ziel: modularisierte Vorbereitung auf das Erwachsenenleben (Arbeit, Beruf, Freizeit, Partnerschaft und Familie)

 

  Vorrangiges Arbeiten in der Werkstufe in Modulen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung
  Abschlussprüfung in einem jeden Modul
  Jede Schülerin/jeder Schüler durchläuft in seiner Werkstufenzeit die für seinen individuellen Entwicklungsstand sinnvollen Module

 

 

Strukturen der Unterrichtsorganisation sowie ergänzender Therapieangebote

 

Kursunterricht

Ziel: Gewährleisten einer fachlich qualifizierten und individuellen Beschulung eines jeden Schülers in den Kulturtechniken

 

Es werden klassenübergreifende Kurse mit folgenden Schwerpunkten für jede Schülerin/ jeden Schüler angeboten:

  Lesen
  Rechnen/Umgang mit Mengen und Zahlen
  individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler mit einem intensiven          Assistenzbedarf in allen Lebensbereichen
  Kurs im Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK)

 

Alle Kurse werden von einer pädagogisch geschulten Kraft geleitet. In bezug auf die beiden zuletzt genannten Schwerpunkte gehört zu den Aufgaben der in diesem Bereich tätigen Lehrkraft die Anleitung des mit den Schülerinnen und Schülern arbeitenden (Pflege)- personals, die Supervision der Arbeit und die Organisation des zur Förderung notwendigen Materials. Die Werkstufe arbeitet unterrichtsintegriert.

 

Unterstützte Kommunikation (UK)

 

Ziel: Verbesserung der kommunikativen Möglichkeiten. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich verständlich ausdrücken können, kommunizieren und verstehen, ihren Alltag eigenverantwortlich und selbstbestimmt gestalten und beeinflussen.

 

UK

hat sprachersetzende, sprachanbahnende oder sprachunterstützende Funktion. UK ist Vehikel zum gegenseitigen Verständnis. UK ist Kommunikationsförderung als wesentlicher Bestandteil der Gesamtförderung.

Gebärden

Wörter sind nicht die einzigen Sprachsymbole. Gebärden sind visuelle Symbole, die helfen, wenn die Artikulation, das Kontaktverhalten oder das Symbolverständnis noch nicht für eine effektive lautsprachliche Kommunikation genutzt werden können.

Symbolsysteme/Talker/IPads

Es wird mit einem bildlichen Kommunikationssystem für den PC/das IPad (z.B. „Boardmaker“, Metacom) gearbeitet, welches in allen Stufen der Schule und in vielen Lebens- und Lernbereichen für die Schülerinnen und Schüler eingesetzt wird. Außerdem werden individuell angepasste Bildsysteme, Talker und andere elektronische Kommunikationshilfen eingesetzt (vgl. entsprechende Ausführungen im Schulprofil).

 

Therapieangebote im Schulalltag

 

Ziel: Gewährleisten einer kontinuierlichen Teilnahme an Unterrichtsangeboten

 

Außerschulische Therapieangebote (z.B. Krankengymnastik oder Sprachtherapie) können in Ausnahmefällen in den Schulalltag integriert werden. Die Entscheidung wird für den Einzelfall getroffen. Für die Schülerinnen und Schüler sollte aber weiterhin das unterrichtliche Angebot der Schule im Vordergrund stehen. Wie im Schulprofil bereits ausgeführt, ist eine Integration therapeutischer Inhalte bzw. die Unterstützung durch Therapeuten im Unterricht wünschenswert. Die Handhabung dieser Maßnahme wird im Einzelfall entschieden.

 

Betreuung der Schülerinnen und Schüler mit einem intensiven Assistenzbedarf in allen Lebensbereichen

 

Ziel: Erweitern des Angebotes für die Schülerinnen und Schüler mit einem intensiven Assistenzbedarf

 

Um das Angebot für Schülerinnen und Schüler mit einem intensiven Assistenzbedarf in allen Lebensbereichen zusätzlich zu den oben genannten Punkten zu erweitern, gibt es einen Snoezelenraum in der Schule, in dem den Schülerinnen und Schülern Angebote in verschiedenen Wahrnehmungsbereichen gemacht werden können. Weiterhin wird bei der Neugestaltung des Außenspielgeländes auf rollstuhlgerechte Spielgeräte sowie gut befahrbare Zuwegungen geachtet. Durch die AG’s „Rollitanz“ sowie „Raus aus dem Stuhl“ wird ebenso auf die Bedürfnisse dieser Schülergruppe eingegangen.

 

Fachunterricht

 

Ziel: Individuellere und verstärkter auf den Leistungsstand des einzelnen abgestimmte Beschulung

 

Es wird angestrebt, im Fachunterricht in Jahrgangsstufen übergreifend zusammenzuarbeiten, wie z.B. Sport/-Psychomotorik, Reiten/Umgang mit dem Pferd, Hauswirtschaft, Gestalten und Musik.

 

Strukturen weiterführender sowie zusätzlicher Angebote

 

5.1   Schülervertretung     

 

Ziel: Einrichten eines Schülerparlaments

 

Unter besonderer Beachtung realitätsbezogener Vorstellungen von Grundformen menschlichen Lebens sowie von Einstellungen zur Funktion der Schule als öffentliche Einrichtung im gesellschaftlichen System gilt es, den Schülerinnen und Schülern zum einen demokratische Grundsätze, Kenntnisse und Fähigkeiten für zunehmende Selbstständigkeit und Konfliktfähigkeit durch Mitbestimmungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten zu vermitteln, zum anderen solche mittels vielfältiger Entscheidungszugänge und Handlungsalternativen zu eröffnen. Dabei müssen die Interessen und Bedürfnisse aller in angemessener Weise Beachtung finden. Dies sollte unter anderem durch die Erörterung, Planung und Gestaltung schulischer Vorhaben erfolgen. Die Institutionalisierung unserer Schülervertretung  ist ein sehr geeignetes Verfahren, um eine gleichberechtigte Beteiligung am Gemeinwesen zu erproben und zu sichern.

In diesem Rahmen wählt jede Klasse einen Klassensprecher sowie einen Vertreter, aus deren Mitte dann wiederum ein Schulsprecher und ein Vertreter ermittelt wird. Diese haben die Möglichkeit an schulartübergreifenden Schulsprechertreffen teilzunehmen.

Eine solche Ergänzung ganzheitlicher Förderung durch Erweitern von Persönlichkeitsstrukturen und Steigern sozialer Kompetenzen mit dem Ziel größtmöglicher Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung unterstützen den Prozess des Unabhängig- und Erwachsenwerdens. Durch die beiden von den Schülerinnen und Schülern der Schule gewählten Verbindungslehrkräfte wird die Arbeit im Schülerparlament koordiniert.

 

 

5.2  Kooperation

 

Ziel: Aufbauen vermehrter Kontakte zu nicht behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

 

Kooperation orientiert sich an den individuellen Möglichkeiten, Sorgen und Nöten, an den Erfahrungen, Interessen, Neigungen und Wünschen der Schüler.

Grundsätzlich gilt:

Durch vielfältige Kontakte mit nichtbehinderten Schülerinnen und Schülern 

soll ein Vergleichen und Erproben der eigenen Leistung, ein auf vielfältige Bezüge und Anregungen angewiesenes soziales Lernen sowie flexibles Einstellen auf neue Gruppenstrukturen ermöglicht werden.

 Kooperation mit benachbarten Schulen und Institutionen ist im Interesse der angestrebten Integration der Schülerinnen und Schüler in die Gesellschaft zwingend erforderlich.

Wir sind auf die Bereitschaft zur Kooperation anderer Schulen und Einrichtungen, deren Schulleitungen und Lehrkräften sowie Leitungen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen.

Diese Bereitschaft kann nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden, da sie Mehrarbeit, viele Absprachen und ggf. in Schulen auch Rücksichtnahme bei der Stundenplangestaltung für unsere Belange bedeutet.

Kooperation bedeutet auch, dass Schule außerhalb der normalen Schulzeiten und auch an anderen Lernorten stattfinden kann.

Kooperation sollte in allen Klassenstufen stattfinden, darüber hinaus im vorschulischen, außerschulischen und nachschulischen Bereich.

Kooperation bedeutet weiterhin, dass die unterrichtlichen Inhalte für die Eltern transparent gemacht werden, und die Eltern in vielfältiger Form in das Schulleben einbezogen werden.

Ziel von Kooperation sollten kontinuierliche Begegnungen sein.

 

Aktuelle Kooperationsvorhaben (Stand 2014)

 

Aktuelle Kooperationsvorhaben im Bereich der Unterstufe

 

Wiederaufnahme des Kontakts zur Kindertagesstätte „Märchenwald“ in Kaltenkirchen (z.B. gemeinsames Picknick, Frühstück, gemeinsame Spiele, evtl. Sport)

 

Aktuelle Kooperationsvorhaben im Bereich der Mittelstufe

 

Besuch des Frühjahrskonzertes „GS Flottkamp“ „Vogelhochzeit“

 

Einladung einer Partnerklasse zur Petze-Ausstellung (im Rahmen des Projekttages)

 

Gemeinsamer SET zur Projektwoche

 

Einladung von anderen Schulklassen mit Bezug zur Schule  zu einem Sommerfest

 

Gestaltung gemeinsamer Gartenprojekte

 

Herstellung von Kontakten zu Kirchengemeinden im Einzugsgebiet der Schule


 

Aktuelle Kooperationsvorhaben im Bereich der Oberstufe:

 

Suchen von Partnerklassen

 

Kooperation zur Petze-Ausstellung mit der GS Lakweg

 

 

Aktuelle Kooperationsvorhaben im Bereich der Werkstufe:

 

Kontaktpflege mit Betrieben auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt, z.B. Betriebsbesichtigungen, Schreiben von Dankesschreiben

 

 Kontakt zum „Regenbogen“ für gemeinsame Aktionen

 

Werkunterricht im RBZ Norderstedt

  Anlegen einer Liste mit Praktikumsbetrieben (incl. einer internen Bewertung

 

Mögliche Kooperationsbeispiele mit Eltern:
  Klasseninterne Feiern (z.B. Osterfrühstück, Theateraufführungen...)
  Ausflüge
  Elternabende, Elterngespräche und die Möglichkeit für Eltern zur Hospitation
  Förderdiagnostik mit Hilfe der Eltern
  Schulübergreifende Veranstaltungen (z.B. Basar, Einschulungsfeiern...)

 

Eingehen von Schulpartnerschaften:

  kollegialer Erfahrungsaustausch und gegenseitige Besuche
  Beschaffen, Verarbeiten, Darstellen und Austauschen von Informationen über das Internet, Fax und Briefkontakte, usw. (Entwicklung und Förderung z.B. von Kommunikationsfähigkeit und Selbstständigkeit)
  das Bewusstsein von einem Europa aufbauen und stärken
  Lernen in unserer Schule und anderswo
  Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben durch Erweiterung des Erlebnis-, Handlungs- und Erfahrungsumfeldes

 

 

5.3 Aktuelle  Projekte

Projekt Trainingswerkstatt

 

Ziel: Zunehmende Vernetzung der unterschiedlichen örtlichen Träger der Berufs- und Lebensorientierung im Sinne einer beruflichen und sozialen Integration benachteiligter Jugendlicher

 

 

Gemeinsamer Bau und Nutzung einer Trainingswerkstatt mit der beruflichen Erziehungshilfe „Regenbogen“ sowie zur Initiierung weiterer gemeinsamer Projekte

 

 
Projekt Schulpartnerschaft

Ziel: Erweitern der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Specjalny Osrodek Szkolno-Wychowawczy in Bobrowo (Polen) und der Janusz-Korczak-Schule, Vorbereitung einer Partnerschaft mit einer schulischen Einrichtung in  Tartu (Estland)

 

  Initiieren und Durchführen gegenseitiger Besuche und Möglichkeiten der Hospitation im Unterricht
  Aufrechthalten des Kontaktes zu den Partnerschulen über das Internet, z.B. durch das Schreiben von E-Mails durch Schülerinnen und Schüler, Briefen ... im Rahmen eines Oberstufenprojektes

 

Projekt mit dem Integrationsfachdienst

 

Ziel: Ausschöpfung und Steigerung des Begabungspotenzials unserer Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung unter dem Aspekt des erweiterten Angebots mit Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten durch Praktika auch  auf dem ersten Arbeitsmarkt im Rahmen individueller Berufs- und Lebensplanungen in einer flexiblen Schulausgangsphase

 

 

  modularisierte Vorbereitung auf das Erwachsenenleben (Arbeit, Beruf, Freizeit, Partnerschaft und Familie)
  Flexible Durchführung von berufsorientierenden Praktika, auch individuell für einzelne Schülerinnen und Schüler
 

 1mal wöchentliche Vorbereitung und spätere Durchführung von Praktika mit dem Integrationsfachdienst, mit dem Ziel, alternative Beschäftigungsangebote auf dem 1. Arbeitsmarkt zu finden

 

 

Projekt Offene Ganztagsschule

 

Ziel: Förderung der individuellen Fähigkeiten und Neigungen der Schülerinnen und Schüler durch eine Maßnahme zur pädagogischen Betreuung, Bildung, Erziehung und Freizeitförderung, um Benachteiligungen abzubauen und Familien zu unterstützen

  Bereitstellen des Angebotes in Trägerschaft der Lebenshilfe Kaltenkirchen e.V.
  Gestaltung orientiert sich am Bedarf, den Wünschen und individuellen sonderpädagogischen Erfordernissen der Schülerinnen und Schüler, sowie den räumlichen und finanziellen Rahmenbedingungen
  Freiwillige Teilnahme an diesem Angebot
  Als Räumlichkeiten steht das benachbarte Haus der Lebenshilfe zur Verfügung sowie in Absprache Räume in der Janusz-Korczak-Schule

 

Projekt Zusammenarbeit mit dem Förderzentrum Lakweg

 

Ziel: Intensivierung der Zusammenarbeit  zur Verbesserung der integrativen Beschulung von Schülerinnen und Schülern vorrangig mit den Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung  an Regelschulen

 

 

Durchführung regelmäßiger gemeinsamer  Konferenzen

 

Entwicklung eines einheitlichen Kooperationsleitfadens/einheitlicher Rahmenbedingungen

  Entwicklung von transparenten und einheitlichen Kriterien bei der Erstellung sonderpädagogischer Gutachten

 

6 Perspektivisches

 

Die nunmehr vorliegende Fassung unseres Schulprogramms, das auf den besonderen, institutionellen Standort zugeschnitten ist, erklärt die pädagogische Leitidee und artikuliert das gemeinschaftliche Menschenbild. Es ist als dynamisches Handlungsprogramm zu verstehen, dass als Orientierung für die konkrete Gestaltung des Schullebens und des gemeinsamen unterrichtlichen Lernens dient.

 Unser Schulprogramm impliziert eine Herausforderung zur kontinuierlichen Weiterentwicklung und ständigen Überprüfung der gesteckten Ziele und Inhalte. Die sich hieraus ergebenden Maßnahmen werden in kooperativer und dialogbezogener Form durchgeführt sowie die erreichten Qualitätsstandards im Verlauf eines jeden Schuljahres analysiert und evaluiert.

 Schulprogrammatik ist kein einmal erreichbarer Zustand, sondern ein ständig neu zu vollziehender Prozess der Anpassung und Angleichung an sich innovativ variierendes Wertebewusstsein, das mit dem Ziel der Wiederherstellung bzw. dem Erhalt sozial-gesellschaftlicher und individueller autonomer Identität auf sich verändernde Gegenwartsrealität aufbauen muss.

 Darüber hinaus ist auf den strukturellen Aussagen des Lehrplans Sonderpädagogische Förderung aufbauend mit dessen schulinterner Umsetzung begonnen worden. Es ist ein schuleigener Lehrplan erarbeitet worden, der auf unterschiedlichen Niveaus im besonderen Maße von schulspezifischen, standortbezogenen sowie individualisierenden Prinzipien geleitet ist. Ebenso wie das Schulprogramm befindet sich dieses schulinterne Curriculum in einem Prozess der ständigen Weiterentwicklung und wird demnach  in regelmäßigen Abständen evaluiert.

 In die Entwicklung und Fortschreibung müssen alle an der Gestaltung des schulischen Alltags Beteiligten eingebunden werden können.

 

 

7 „Ausblick“

 

Den Prozess der Verwirklichung gemeinsamer Beschulung aller Schülerinnen und Schüler möchten wir auch weiterhin aktiv, konstruktiv und erfahrungskompetent unter dem Zielaspekt der Umsetzung der UN-Konvention zum Aufbau eines möglichst flächendeckenden Schulsystems in unserer Region mitgestalten.

Im Rahmen der Planung und Umsetzung integrativen Unterrichts in den vergangenen 20 Jahren ist es nunmehr unabdingbar, in interdisziplinärer sowie vernetzender Kooperation und ökosystemischen Zusammenhängen Rahmenbedingungen zu unterstützen und zu schaffen, um eine fortschreitende Bildung aller bei Erhalt bestehender Qualität zu ermöglichen.

Dies gilt es auf der Grundlage einer Beschulung ohne Aussonderung und somit unter Einbeziehung aller Schülerinnen und Schüler mit festgestellten sonderpädagogischen Förderschwerpunkten, also auch derer mit intensivem Assistenzbedarf oder sozialen Regulierungsbedürfnissen, zu realisieren. Allerdings: … Dabeisein ist nicht alles.

Deshalb ist es zum jetzigen Zeitpunkt unerlässlich, zentrale Förderzentren als institutionelle Unterstützungssysteme zu erhalten und sonderpädagogische Professionalität, wobei es meiner Überzeugung entsprechend nur eine Pädagogik gibt, partizipativ zu nutzen, um Barrieren auf ein Minimum zu reduzieren und Chancen für Veränderungen zu steigern.

Eine gemeinsame Beschulung ist unteilbares Menschenrecht und soziale Verpflichtung zugleich, betrifft alle Schularten und muss wohnortnah im Hinblick auf Schule als ein Ort gemeinschaftlichen Lebens und Lernens mit einem Wechsel gesellschaftlicher Perspektiven umgesetzt werden, indem von Anfang an und ohne Ausnahme Unterschiedlichkeit als Normalität und Teil menschlicher Pluralität verstanden wird.

 

 

(H.-J. Wolfram – ehemaliger Leiter sowie

Namensgeber der Janusz-Korczak-Schule)

 

 

 

(Stand der Angaben: Oktober 2014)